Ausstellung “Opfer rechter Gewalt” in Magdeburger Stadtbibliothek
Freitag, 30. Januar 2009
ausstellung_opferÖffnungszeiten: 4. – 27. Februar 2009, Montag – Freitag 10.00 – 19.00 Uhr, Samstag 10.00 – 13.00 Uhr

Ort: Stadtbibliothek Magdeburg, Breiter Weg 109

Ausstellungseröffnung: 3. Februar 2009, 19:30 Uhr, Stadtbibliothek Magdeburg, Breiter Weg 109, mit Dr. Rüdiger Koch, Bürgermeister der Stadt Magdeburg und Heike Kleffner, Projektleitung Mobile Opferberatung

Podiumsdiskussion: 26. Februar 2009, 19:30 Uhr, „Rechte Gewalt, tödliche Folgen und Öffentlichkeit“ mit Angehörigen, Freund/innen und Anwält/innen von Opfern

Vom 4. Februar bis zum 27. Februar 2009 zeigen das Bündnis gegen Rechts und Miteinander e.V. in der Magdeburger Stadtbibliothek die Ausstellung „Opfer rechter Gewalt“ mit Porträts von 136 Menschen, die seit 1990 Opfer einer tödlichen rechten, rassistischen oder antisemitisch motivierten Gewalttat geworden sind.

In der Ausstellung werden u.a. sechs Opfer rechter Gewalt aus Sachsen-Anhalt porträtiert, darunter Torsten Lamprecht, der 21-jährig bei einem Neonaziüberfall auf eine Geburtstagsfeier von Punks in Magdeburg im Mai 1992 tödliche Verletzungen mit einem Baseballschläger erlitt. Ebenfalls zu sehen ist ein Porträt des 17-jährigen Punks Frank Böttcher, der in der Nacht zum 8. Februar 1997 von einem gleichaltrigen Naziskin in Magdeburg-Olvenstedt erstochen wurde.

Anlass für Miteinander e.V. die Ausstellung zum dritten Mal innerhalb von drei Jahren nach Sachsen-Anhalt zu holen, ist zum einen der zwölfte Jahrestag des Todes von Frank Böttcher am 8. Februar 2009. Zum anderen sind im August letzten Jahres in Sachsen-Anhalt drei Menschen Tötungsdelikten zum Opfer gefallen, in denen ein mutmaßlicher rechter Hintergrund derzeit auch Gegenstand von laufenden Ermittlungs- bzw. Strafverfahren ist: Vor dem Magdeburger Landgericht muss sich seit Dezember 2008 der 21-jährige Bastian O. wegen Totschlags an dem 20-jährigen Kunststudenten Rick L. verantworten. Der bekennende und einschlägig vorbestrafte Neonazi hatte u.a. angegeben, Rick L. am 16. August 2008 in Magdeburg angegriffen zu haben, weil dieser ihn als „Hobby-Nazi“ bezeichnet haben soll. Vor dem Landgericht Dessau hat am 28. Januar 2009 der Prozess gegen zwei Rechte begonnen, denen die Staatsanwaltschaft Mord an einem 50-jährigen Wohnsitzlosen vorwirft. Die beiden Angeklagten haben nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ihr Opfer am 1. August 2008 in der Nähe des Dessauer Hauptbahnhofs u.a. aus Hass gegenüber sozial Schwachen misshandelt. Vor dem Landgericht Magdeburg soll zudem ab Ende Februar 2009 gegen einen vorbestraften Rechten aus Bernburg verhandelt werden, der nach Ansicht der Ermittlungsbehörden den 19-jährigen Marcel W. am 14. August 2008 in Bernburg getötet haben soll.

Auf den Tafeln der Ausstellung hat die Künstlerin Rebecca Forner 136 Menschen porträtiert, die Opfer von rechten, rassistischen oder antisemitisch motivierten Gewalttaten wurden. Viele von ihnen wurden getötet, weil für sie im Weltbild der Rechtsextremisten kein Platz ist; manche, weil sie den Mut hatten, Nazi-Parolen zu widersprechen. Einige Schicksale bewegten die Öffentlichkeit, viele wurden kaum zur Kenntnis genommen, vergessen sind die meisten. Die Ausstellung ruft diese Menschen in Erinnerung.

Zu den Porträts der Opfer rechter Gewalt aus Sachsen-Anhalt in der Ausstellung

Gezeigt wird beispielsweise ein kurzes Porträt von Torsten Lamprecht, der am 9. Mai 1992 bei einem Überfall von etwa 60 Naziskins auf eine Punk-Party in dem Magdeburger Lokal „Elbterrassen“ mit einem Baseballschläger schwer verletzt wurde und an den Folgen der Verletzungen starb.

Erinnert wird auch an Matthias Lüders, der bei einem Überfall von 40 rechten Skinheads auf eine Diskothek in Obhausen am 24. April 1993 zwei Mal brutal mit einem Baseballschläger auf den Kopf geschlagen wurde. Zwei Tage später starb der 23-Jährige Bundeswehrsoldat an den schweren Verletzungen. Das Landgericht hielt der Polizei damals vor, sie sei vorab von dem Angriff informiert gewesen und habe nicht eingegriffen.

Ebenfalls porträtiert wird der 17-jährige Frank Böttcher, der am 8. Februar 1997 in Magdeburg-Olvenstedt von einem Naziskinhead an einer Straßenbahnhaltestelle erstochen wurde. Frank Böttcher starb, weil ihm als junger Punk das Recht zu leben abgesprochen wurde.

Die Ausstellung zeigt auch ein Porträt von Helmut Sackers, der am 29. April 2000 in Halberstadt von einem Naziskinhead erstochen wurde, nachdem der 60-Jährige wenige Stunden zuvor die Polizei gerufen hatte, um das lautstarke Abspielen des verbotenen Horst-Wessel-Liedes aus der Wohnung des Skinheads anzuzeigen.
Erinnert wird auch an Alberto Adriano, der am 11. Juni 2000 von drei Naziskins im Dessauer Stadtpark brutal misshandelt wurde und dessen Todestag sich am 14. Juni 2009 zum neunten Mal jährt. Und an den 38-jährigen Willi Worg, der im März 2001 vor einer Diskothek in Milzau von einer rechten Clique so brutal zusammengeschlagen und getreten wurde, dass er wenige Tage darauf seinen Verletzungen erlag.

Die Ausstellung wird vom 4.2. bis zum 27.2.2009 in der Stadtbibliothek gezeigt. Begleitend zur Ausstellung werden kostenlose Workshops für Schulklassen und Multiplikator/innen der Bildungsarbeit sowie sonstige Interessierte angeboten. Nähere Informationen sowie Anmeldungen für Führungen sind erhältlich bei: Miteinander e.V., Erich-Weinert-Str. 30, 39104 Madeburg, Tel.: 0391-6207754, Email: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Die Ausstellung wird gefördert im Rahmen des Bundesprogramms „VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie” sowie durch die Landeszentrale für politische Bildung des Landes Sachsen-Anhalt.

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie unter www.opfer-rechter-gewalt.de

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.
 
Gesicht zeigen! Für ein demokratisches und tolerantes Magdeburg!
Mittwoch, 31. Dezember 2008
Aufruf zur "Meile der Demokratie" am 17. Januar 2009 in der Magdeburger Innenstadt

Am 16. Januar 2009 jährt sich der Tag der Bombardierung Magdeburgs während des Zweiten Weltkriegs, große Teile der Stadt und insbesondere des historischen Zentrums wurden damals zerstört. Seit mehreren Jahren versuchen neonazistische Kameradschaften im Verein mit rechtsextremen Parteien, das Gedenken der Magdeburger für sich zu vereinnahmen – dagegen gingen in den Vorjahren immer wieder Bürgerinnen und Bürger auf die Straße.
Für den 17. Januar 2009 rufen das Bündnis gegen Rechts und die Landeshauptstadt Magdeburg gemeinsam mit vielen Einzelpersonen zu einer „Meile der Demokratie" auf. Mit Ihnen, den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, wollen wir gemeinsam an diesem Tag zwischen 12.00 und 18.00 Uhr den Breiten Weg auf voller Länge zwischen Universitätsplatz und Hasselbachplatz zu einem Ort lebendiger Demokratie machen, auf dem möglichst viele Vereine und Verbände, Kirchen, Institutionen und Unternehmen, Händler und Gastronomen bekräftigen: Magdeburg ist demokratisch, tolerant und weltoffen.

Sie haben viele Möglichkeiten, diese Aktion zu unterstützen:
- Sie können Ihr Umfeld auf die Veranstaltung aufmerksam machen,
- Sie können den Aufruf mit Ihrem persönlichen Namen oder mit Ihrer Organisation/Institution unterstützen,
- Sie sind Kulturschaffende? Beteiligen Sie sich an den Bühnenprogrammen,
- Sie sind in einem Verein oder einer Institution beruflich oder bürgerschaftlich engagiert? Beteiligen Sie sich mit einem Informationsstand auf der Meile,
- Wenn das alles nicht möglich ist, eines geht bestimmt: Kommen Sie am 17. Januar 2009 in die Magdeburger Innenstadt und machen Sie unsere Landeshauptstadt zu einem Ort bunter Begegnung, denn Magdeburg ist bunt – nicht braun!

Kontakt zum Organisationsbüro:
Mo. - Do. 10.00 - 14.00 Uhr
Telefon: 0391 / 620 77 51
Fax: 0391 / 620 77 40
E-Mail: demokratiemeile17januar09 (at) gmx (.) de

Den gemeinsamen Aufruf des Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper und dem Bündnis gegen Rechts Magdeburg haben inzwischen mehr als 75 Personen des öffentlichen Lebens unterzeichnet.

Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des Bündnis gegen Rechts Magdeburg http://bgrmagdeburg.wordpress.com 

 
 
 
Magdeburg zeigt am 17. Januar 2009 Gesicht gegen Rechtsextremismus
Mittwoch, 31. Dezember 2008

Der Breite Weg als „Meile der Demokratie“

 

Das Bündnis gegen Rechts Magdeburg, ein Zusammenschluss von zivilgesellschaftlichen Initiativen, Gewerkschaften, Parteien und Einzelpersonen, organisiert seit Jahren demokratische und friedliche Protestaktionen gegen den Versuch von Rechtsextremen, die Erinnerung an die Bombardierung der Stadt am Ende des Zweiten Weltkrieges zu missbrauchen. Im kommenden Jahr ruft das Bündnis erstmals gemeinsam mit der Landeshauptstadt Magdeburg die Bürgerinnen und Bürger zu einer „Meile der Demokratie“ auf. Wir befragten eine Sprecherin des Bündnisses zu den Hintergründen der geplanten Aktion.

In den vergangenen Jahren hat das Bündnis wiederholt Demonstrationen und Kundgebungen durchgeführt. Für den 17. Januar 2009 planen Sie erstmals eine „Meile der Demokratie“ in der Magdeburger Innenstadt. Was hat es damit auf sich?
Rückblickend mussten wir trotz steigender Teilnehmerzahlen bei unseren Aktionen feststellen, dass wir einige Bevölkerungsgruppen nicht mobilisieren konnten, obwohl sie unser Anliegen, mit friedlichen Mitteln gegen rechtsextreme Aufmärsche in unserer Stadt zu demonstrieren, teilen. Mit der „Meile der Demokratie“ wollen wir gerade Familien mit Kindern und älteren Personen die Möglichkeit bieten, Gesicht zu zeigen und sich über die vielfältigen Angebote Magdeburgs in den Bereichen Sport, Kultur und Bildung zu informieren. Wir knüpfen mit der Meile an die guten Erfahrungen aus anderen Städten, beispielsweise im fränkischen Wunsiedel oder in Dresden, an.

Warum gerade der Breite Weg?
Der Breite Weg war bis zur Zerstörung eine der Prachtstraßen Magdeburgs mit unzähligen Bars, Kinos und Geschäften. Wir dürfen bei der Erinnerung an die Bombardierung 1945 jedoch nicht vergessen, dass die Nationalsozialisten in den Jahren zuvor viel Leid und Zerstörung über Europa gebracht haben. Ich erinnere dabei nur an die Luftangriffe auf Warschau, Coventry oder Rotterdam ab 1939 sowie die Shoah, die Vernichtung der europäischen Juden. Dass heute, über 60 Jahre nach Kriegsende, Rechtsextreme durch diese Magistrale unserer Stadt marschieren wollen, ist für uns nicht hinnehmbar. Zudem befinden sich Orte von historischer, politischer und gesellschaftlicher Relevanz auf und in unmittelbarer Nähe zur Strecke: Das Denkmal für die 1938 von den Nazis zerstörte Synagoge, das Mahnmal für die Sinti und Roma, das Alte Rathaus als Ort der demokratischen Bürgerschaft sowie zahlreiche Stolpersteine im Umkreis des Breiten Wegs, die an die Verfolgung, Verschleppung und Ermordung jüdischer Magdeburgerinnen und Magdeburger im Nationalsozialismus erinnern. Wir wollen gemeinsam zeigen, dass in Magdeburg kein Platz für Geschichtsverdrehung, Rassismus und Demokratieverachtung ist.

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Willkommen

 

Am 1. Januar 2007 startete das neue Programm "VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Bundesregierung hat sich vor dem Hintergrund der weiten Verbreitung des Rechtsextremismus zum Ziel gesetzt, gerade bei jungen Menschen die demokratische Kultur und das zivile Engagement zu stärken sowie Toleranz und Weltoffenheit zu fördern.

Das präventiv ausgerichtete Programm knüpft an die Erfahrungen aus dem Ende 2006 ausgelaufenen Aktionsprogramm der Bundesregierung "Jugend für Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" an. Für das Programm werden jährlich 19 Mio. Euro Bundesmittel zur Verfügung gestellt.

Angesprochen werden sollen insbesondere junge Menschen, rechtsextremistisch gefährdete Jugendliche, Migrantinnen und Migranten sowie Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer.

Im Förderschwerpunkt "Entwicklung integrierter lokaler Strategien" entwickeln Kommunen/ Landkreise/ Zusammenschlüsse von Gebietskörperschaften zusammen mit den zivilgesellschaftlichen Akteuren vor Ort einen Lokalen Aktionsplan. Dieser beruht auf einer spezifischen Analyse der Problemlagen des Fördergebietes, verfolgt mit konkreten Maßnahmen und Entwicklungsschritten eine langfristig integrierte Strategie zur Demokratieentwicklung und fördert lokale Vernetzungen und Kommunikationsstrukturen.

Anträge zu Einzelprojekten können bei der zuständigen Lokalen Koordinierungsstellen eingereicht werden. Beachten Sie bitte bei der Entwicklung von Maßnahmen die Leitlinien des Programmbereichs „Entwicklung integrierter lokaler Strategien“ sowie die Anforderungen des Lokalen Aktionsplans.

Leitlinien Entwicklung integrierter lokaler Strategien 

Weitere Informationen zum Bundesprogramm „VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ finden Sie im Internet auf
http://www.vielfalt-tut-gut.de