„Meine deutsche Mutter“ – Die Abrechnung eines „Hitler“-Kindes
Mittwoch, 02. September 2009
Lesung mit Niklas Frank am 9. September um 19.00 Uhr im einewelt haus

Am 9. September 2009 liest Niklas Frank ab 19.00 Uhr im einewelt haus in Magdeburg, Schellingstraße 3–4, aus seinem Werk „Meine deutsche Mutter“.Schockierend und berührend zugleich rechnet Niklas Frank in seinen Werken mit seinen Eltern ab. Dies birgt für die Zuhörer ungeheueres Diskussionspotenzial in sich. Er nimmt es nicht hin, er rechnet ab.
Niklas Frank wurde 1939 in München als Sohn des nationalsozialistischen Politikers Hans Frank, bekannt als der und dessen Frau Brigitte (geb. Herbst) geboren. Sein Vater war zwischen 1939 und 1945 als Generalgouverneur im besetzten Polen an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt und wurde auch als Schlächter von Polen bekannt, seine Mutter als (selbsternannte) „Königin von Polen“.

Nachdem sein Vater im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher angeklagt, 1946 zum Tode verurteilt und gehängt wurde und seine Mutter 1959, kurz nach seinem 20. Geburtstag, starb, begann für Frank, der Germanistik, Soziologie und Geschichte studierte, ein weiter Weg auf der Suche nach der Wahrheit über seinen Vater und das Dritte Reich. Er wurde Journalist und 1979 Auslandsreporter beim deutschen Wochenmagazin Stern.

1987 sorgte er mit dem Buch über seinen Vater „Der Vater. Eine Abrechnung“ für Aufsehen. Frank rekonstruierte das Leben seines Vaters aufgrund jahrelanger Recherchen, in deren Verlauf er erkennen musste, welch ungeheuren Ausmaßes die Verbrechen des Vaters waren. Das Buch wurde zunächst als Serie mit dem Titel „Mein Vater, der Nazimörder“ in der deutschen Illustrierten „Stern“ veröffentlicht und löste heftige Kontroversen aus.

2005 folgte dann im Buch „Meine deutsche Mutter“ eine ebenso harte Auseinandersetzung mit der eigenen Mutter.

„‘Meine deutsche Mutter’ ist das äußerst lesenswerte Porträt einer Frau, die der liebende Sohn nicht verkitscht zur ewig ahnungslosen Mutti mit fünf Kindern an der Seite des mächtigen Nazi-Gemahls.“ (Stern)

Wir behalten uns vor, vom Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.


 
Fortbildung "Antisemitismus im Klassenzimmer"
Dienstag, 01. September 2009

Antisemitismus im Klassenzimmer?!
Eine Fortbildungsveranstaltung des Anne-Frank-Zentrums am 23. September 2009 in Magdeburg

 

Erster Programmpunkt ist die Vorstellung der OSZE-Unterrichtsmaterialien zum Umgang mit Antisemitismus, deren Entstehungsgeschichte und Konzeption.Anschließend bekommen die Teilnehmenden die Möglichkeit, in den Materialien und der Handreichung selbständig zu stöbern und ihre ersten Eindrücke mit der Gruppezu diskutieren. Die Fortbildungen zu den Unterrichtsmaterialien beinhalten sowohl Anregungen für die pädagogische Praxis als auch Hintergrundwissen undArgumentationshilfen.
Im weiteren Verlauf der Fortbildung werden unterschiedliche Formen des Antisemitismus von der Gründung des Christentums bis in die Gegenwart vorgestellt.Dazu zählen z.B. die religiös begründete Feindschaft gegen Juden, der sogenannte antijudaismus, oder der rassistisch begründete Antisemitismus, der in der NS-Zeit dieideologische Grundlage für den Holocaust bildete. Aber auch weniger bekannte Formen des Antisemitismus werden vorgestellt, wie etwa der »sekundäreAntisemitismus«, der darauf abzielt, den Holocaust zu relativieren und Opfer-Täterkategorien zu verschieben. Den Abschluss bilden Vorfälle aus der pädagogischenPraxis, die gemeinsam analysiert und für die Lösungsansätze gesucht werden.

 

Die Veranstaltung wird unterstützt durch das Netzwerk für Demokratie & Courage Sachsen-Anhalt e.V., die Landesvereinigung kulturelle Kinder-und Jugendbildung e.V.und die Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V.

 

WT-Nummer: WT 2009-300-88 LISA

Anerkannte Fortbildungsveranstaltung für Lehrkräfte (gemäß RdErl. des Kultusministeriums vom 6.12.2001/SVbl. LSA S.59)Die Zahl der Teilnehmenden ist auf 20 begrenzt!

 

Anmeldung:
Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e.V.
Projekt „Demokratie erleben-Courage zeigen!“
Steffen Kulow
Gareisstraße 13
39106 Magdeburg
Fon: 0391-5442798
Fax: 0391-5442799
E-Mail: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

 
Ein Zeichen der Erinnerung und Hoffnung
Mittwoch, 03. Juni 2009

Einweihung eines Gedenksteins für getöteten Rick L. in Magdeburg

„Genau 290 Tage ist es nun her, dass einer der liebevollsten und unschuldigsten Menschen, die ich kannte, an dieser Kreuzung auf grausamste Art und Weise ermordet wurde.“ Die junge Frau, die mit dem angehenden Kunststudenten Rick L. eng befreundet war, ringt bei ihrer Ansprache mit den Tränen. Mehr als 50 Menschen hatten sich am Vormittag des 2. Juni 2009 im Magdeburger Stadtteil Reform zusammengefunden. Magdeburgs Oberbürgermeister, zwei Beigeordnete, zahlreiche Stadträte sowie Vertreter/innen des Bündnis gegen Rechts weihten gemeinsam mit Familienangehörigen und Freund/innen in unmittelbarer Nähe zum Tatort einen Gedenkstein für Rick L. ein. Der junge Mann wurde am 16. August 2008 nach dem Besuch einer Diskothek von einem bekennenden Neonazi durch Schläge und Tritte so schwer verletzt, dass er an seinem eigenen Blut erstickte.


Mehr als 50 Menschen beteiligten sich an der Einweihung des Gedenksteins für Rick
 
Breite Solidarität


Familienangehörige und Freund/innen von Rick L. fassten bereits nach der Beerdigung den Entschluss, am Tatort einen Stein zur Erinnerung und Mahnung aufzustellen. Unterstützung erhielten sie vom Geschwister-Scholl-Gymnasium, an dem der junge Mann ein Jahr zuvor sein Abitur ablegte, und der Mobilen Opferberatung bei Miteinander e.V.. An einer Unterschriftenaktion beteiligten sich mehr als 1.000 Menschen.
Der Eigentümer eines Teppichmarktes, auf dessen Grundstück Rick L. in einem Gebüsch liegend verstarb, verweigerte den Hinterbliebenen jegliche Unterstützung und damit die Aufstellung des Steins auf seinem Firmengelände. Die Initiator/innen wandten sich daraufhin an den Magdeburger Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper. Die Stadt sicherte Hilfe zu. Das Tiefbauamt stellte den Stein zur Verfügung, und der städtische Eigenbetrieb "Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg" fertigte die Gedenkplatte an. Die Inschrift lautet: „Im Gedenken an Rick. Rick wurde am 16.08.2008 an dieser Kreuzung durch feige und sinnlose Gewalt aus unserem Leben gerissen. In unserem Herzen wirst du immer weiter leben! Familie und Freunde von Rick.“ Der Gedenkstein wurde wenige Meter vom Tatort entfernt auf öffentlichem Grund aufgestellt.


Im Gedenken an Rick

 

Gedenkstein als Zeichen der Hoffnung für Zivilcourage

Heike Kleffner von der Mobilen Opferberatung lobte die unbürokratische Hilfe des Oberbürgermeisters und der Stadtverwaltung als politisches Signal gegen Rechtsextremismus. Der Stein stelle für sie nicht nur ein Ort der Erinnerung an Rick sondern auch ein Zeichen der Hoffnung dar, „dass rechte Gewalt zukünftig keine Todesopfer mehr fordert. Ein Zeichen der Hoffnung dafür, dass mehr Bürger einschreiten werden, wenn andere Menschen von Rechtsextremen angepöbelt oder gar angegriffen werden.“ Die Gewaltbereitschaft der rechtsextremen Szene kostete allein in Magdeburg seit 1990 drei jungen Männern das Leben, deutschlandweit sind es über 130.

Acht Jahre Jugendhaft – Verteidiger legt Revision ein

Die Polizei nahm am 18. August 2008 Bastian O., der bis Anfang 2008 bereits wegen gefährlicher Körperverletzung, Volksverhetzung und räuberischer Erpressung eine Haftstrafe abgesessen hatte, unter dringendem Tatverdacht fest. Während der Gerichtsverhandlung vom Dezember 2008 bis Mai 2009 machte der Neonazi aus seiner Gesinnung keinen Hehl. Mit kahl rasiertem Schädel und einer Jacke der bei Rechtsextremen beliebten Marke „Thor Steinar“ verfolgte Bastian O. im Dezember 2008 die Verlesung der Anklageschrift. Fernsehbilder zeigen, wie der Neonazi bei der Urteilsverkündung einen Ring mit der „Schwarzen Sonne“, einem von der SS im Nationalsozialismus verwendetes Symbol, trägt.. Das Landgericht Magdeburg sah es als erwiesen an, dass Bastian O. den jungen Mann zu Tode geprügelt und im Anschluss beraubt hat. Das Strafmaß sah acht Jahre Jugendhaft vor. Nach Informationen des Bündnis gegen Rechts Magdeburg hat der Verteidiger inzwischen Revision gegen das Urteil eingelegt.

Aufruf zu Spenden

Freundinnen und Freunde von Rick L. haben im vergangenen Jahr am Tatort mit Grabkerzen und Blumenschmuck ein kontinuierliches Gedenken an den angehenden Kunststudenten aufrecht erhalten. Sie wollen diese Form der Erinnerung auch am Gedenkstein fortführen. Da Unbekannte in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder Grabkerzen und Blumenschmuck zerstörten, bitten wir im Namen der Freundinnen und Freunde von Rick L. um Spenden für Grabkerzen und Blumenschmuck am Gedenkstein. Die Spenden werden vom „Opferfonds“ an die Freundinnen und Freunde weitergeleitet und sind steuerlich abzugsfähig.

Spendenkonto:
Kto.-Nr: 53 53 53
BLZ 810 205 00
Bank für Sozialwirtschaft
Kontoinhaber: Miteinander e.V.
Stichwort: Opferfonds / Würdiges Gedenken

 
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Willkommen

 

Am 1. Januar 2007 startete das neue Programm "VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Bundesregierung hat sich vor dem Hintergrund der weiten Verbreitung des Rechtsextremismus zum Ziel gesetzt, gerade bei jungen Menschen die demokratische Kultur und das zivile Engagement zu stärken sowie Toleranz und Weltoffenheit zu fördern.

Das präventiv ausgerichtete Programm knüpft an die Erfahrungen aus dem Ende 2006 ausgelaufenen Aktionsprogramm der Bundesregierung "Jugend für Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" an. Für das Programm werden jährlich 19 Mio. Euro Bundesmittel zur Verfügung gestellt.

Angesprochen werden sollen insbesondere junge Menschen, rechtsextremistisch gefährdete Jugendliche, Migrantinnen und Migranten sowie Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer.

Im Förderschwerpunkt "Entwicklung integrierter lokaler Strategien" entwickeln Kommunen/ Landkreise/ Zusammenschlüsse von Gebietskörperschaften zusammen mit den zivilgesellschaftlichen Akteuren vor Ort einen Lokalen Aktionsplan. Dieser beruht auf einer spezifischen Analyse der Problemlagen des Fördergebietes, verfolgt mit konkreten Maßnahmen und Entwicklungsschritten eine langfristig integrierte Strategie zur Demokratieentwicklung und fördert lokale Vernetzungen und Kommunikationsstrukturen.

Anträge zu Einzelprojekten können bei der zuständigen Lokalen Koordinierungsstellen eingereicht werden. Beachten Sie bitte bei der Entwicklung von Maßnahmen die Leitlinien des Programmbereichs „Entwicklung integrierter lokaler Strategien“ sowie die Anforderungen des Lokalen Aktionsplans.

Leitlinien Entwicklung integrierter lokaler Strategien 

Weitere Informationen zum Bundesprogramm „VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ finden Sie im Internet auf
http://www.vielfalt-tut-gut.de